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ADK - The Journal of German-Armenian Society - 06/30/2013 (in German

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  • ADK - The Journal of German-Armenian Society - 06/30/2013 (in German

    PRESS RELEASE
    Editorial Office of ADK
    Contact: Dr. Raffi Kantian
    Tel: 0049-511-624733
    Mail: [email protected]
    Web: http://www.deutscharmenischegesellschaft.de/
    http://www.deutscharmenischegesellschaft.de/?page_id=3827
    https://www.facebook.com/deutscharmenischegesellschaft

    1. ZUM GEDENKEN DER OPFER DES VOELKERMORDES AN DEN ARMENIERN 1915

    http://www.deutscharmenischegesellschaft.de/wp-content/uploads/2013/06/ADK159-Zum-Gedenken-der-Opfer-des-V%C3%B6lkermordes-an-den-Armeniern-1915.pdf



    VON CEM OEZDEMIR
    Bundesvorsitzender
    BUENDNIS 90/DIE GRUENEN (1)


    S.E. Herr Armen Martirosyan, Botschafter der Republik Armenien in
    Deutschland,
    S.E. Erzbischof Karekin Bekdjian, Primas der Dioezese der Armenischen
    Kirche in Deutschland,
    Priester Gnel Gabrielyan,
    Frau Pfarrerin Beate Dirschauer,
    Herr Bischofsvikar Dr. Matthias Fenski vom Erzbistum Berlin,
    Frau Proepstin Friederike von Kirchbach, Evangelische Kirche in
    Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz,
    Vertreter der OEkumene,
    Liebe Anais Goevez, Armenische Kirchen- und Kulturgemeinde Berlin,
    Liebe Sibylle Thelen von der Landeszentrale fuer politische Bildung
    Baden-Wuerttemberg,
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    - gestatten Sie mir die vertraute Anrede - liebe Schwestern und Brueder,

    Heute, 98 Jahre nach den grausamen Vertreibungen und Ermordungen an der
    armenischen Bevoelkerung des Osmanischen Reiches, faellt es noch immer
    schwer, zu begreifen, wie es zu diesem verheerenden Verbrechen kommen
    konnte.
    Was hat dazu gefuehrt, dass die jungtuerkische Regierung unter Enver,
    Talaat und Cemal Pascha den multi-ethnischen und multi-religioesen
    Vielvoelkerstaat des Osmanischen Reichs mit ihrer
    nationalistisch-rassistischen Ideologie zerstoeren konnten?
    Was hat dazu gefuehrt, dass die armenische Bevoelkerung im Osmanischen
    Reich sogar als "?Millet-i Sadıka"`, also als "?treues Volk"` "`
    halb anerkennend, halb ueberheblich - bezeichnet, Opfer dieses
    schrecklichen Genozids werden konnte?
    Es ist unbegreiflich, wie es dazu kommen konnte, gerade wenn wir uns die
    Rolle und Stellung des armenischen Volkes in der osmanischen
    Gesellschaft vor 1915 vor Augen fuehren.
    Viele hier kennen die wunderbare Ausstellung "?Sireli Jeghpajrs -
    Lieber Bruder. Armenier in der Tuerkei vor 100 Jahren"` von Osman
    Koeker mit Postkarten des Sammlers Orlando Carlo Calumeno, die einen
    Eindruck von der Vielfalt der osmanischen Bevoelkerung gibt.
    2005, als die Ausstellung erstmals in der Tuerkei gezeigt wurde, haben
    sie innerhalb von 11 Tagen ueber 7.000 Besuchern und Besucherinnen erlebt.
    Dies zeigt, dass es auch in der tuerkischen Gesellschaft ein Interesse
    gibt, etwas ueber die Zeit zu erfahren, die von der tuerkischen
    Geschichtsschreibung bis heute ausgeklammert wird. Und es wird deutlich,
    dass die armenische Bevoelkerung ein unverzichtbarer Teil des
    Osmanischen Reiches war.
    Armenier spielten eine wichtige Rolle in der OEkonomie, sei es in der
    Seidenindustrie oder Textilproduktion, sie etablierten das moderne
    Theater im Osmanischen Reich, sie etablierten die Oper, sie verfassten
    die ersten osmanischen Romane. Sie hatten hohe Staats- und
    Regierungsaemter inne, und bildeten einen wichtigen Teil des
    diplomatischen Dienstes des Osmanischen Reiches.
    Istanbul zaehlte 1914 mehr als 900.000 Einwohner, rund 10% davon waren
    Armenier. 9 Zeitungen erschienen allein auf Armenisch in Istanbul, im
    Vergleich dazu nur 13 auf Tuerkisch.
    Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts nach dem Aufkommen des
    Nationalismus und der Erfahrung von Zerfall und Vertreibung veraendert
    sich die Wahrnehmung der politischen Eliten drastisch.
    Beginnend unter Abduelhamid II., 1876 erheben sich die Serben,
    Montenegriner und Bulgaren gegen die tuerkische Herrschaft und mit dem
    Berliner Vertrag verlieren die Osmanen 1878 weite Teile ihrer
    Besitzungen auf dem Balkan. Parallel dazu gab es grosse Verluste in den
    suedlichen Gebieten.
    Viele Muslime wurden selbst Opfer von Vertreibung und Verfolgung,
    waehrend gleichzeitig Autonomiebestrebungen christlicher Minderheiten
    niedergeschlagen wurden.
    Die Geschichte meiner eigenen Familie kennt alle diese Kapitel der
    schmerzhaften und blutigen Entstehung der tuerkischen Republik. Von der
    Vertreibung der tscherkessischen Vorfahren meines Vaters, die selbst
    Opfer der russischen Okkupation im Kaukasus geworden sind, bis zur
    unruehmlichen Rolle der Tscherkessen selber im Voelkermord von 1915, bis
    zum Pogrom am 6./7. September 1955 an der griechischen Minderheit in
    Istanbul im vergangen Jahrhundert, den meine Mutter hautnah erlebt hat
    und noch heute mit Gaensehaut davon erzaehlt, bis zu meiner, meiner
    griechischen Urgrossmutter, die konvertierte und den Namen aenderte.
    So gibt es auch heute noch viele unerzaehlte armenische Geschichten in
    der Tuerkei. Manche Geschichte von Leid, Verlust und Zwangsheirat nehmen
    die UEberlebenden mit ins Grab, andere werden den staunenden Enkeln und
    Urenkeln erzaehlt, die dadurch erfahren, dass sie selbst armenische
    Vorfahren haben.
    Komitas, von dessen Musik wir schon einiges gehoert haben, ist ein
    solches Beispiel. Der Geistliche und begnadete Musiker und Komponist,
    dessen Stuecke wir gehoert haben, ist am 24. April 1915 in Istanbul
    oder Konstantinopel mit mehreren Hundert armenischen Intellektuellen
    verhaftet und in die Gegend um die Stadt Cankırı deportiert worden.
    Fast alle der Verschleppten wurden damals ermordet, lediglich acht
    durften nach Anordnung des Innenministers Talaat Pascha zurueckkehren.
    Unter ihnen war Komitas.
    Der US-Botschafter Henry Morgenthau und der Dichter Mehmet Emin Yurdakul
    intervenierten fuer den grossen Kuenstler.
    Komitas hat sich nie von dem Schrecken der Deportation und dem Erlebten
    erholt. Er starb als gebrochener Mann 1935 in einer psychiatrischen
    Klinik in Paris.
    Ich wuensche mir, dass eines Tages die Lieder von Komitas in tuerkischen
    Musikbuechern stehen und in tuerkischen Schulbuechern behandelt werden,
    dass nicht nur armenische Kinder mit den Liedern von Komitas aufwachsen,
    sondern alle Kinder, die in der Tuerkei leben, egal welcher Herkunft sie
    sind.
    1913, nach dem sich die Fuehrer des "?Komitees fuer Einheit und
    Fortschritt"` an die Macht geputscht haben, wird die Ideologie der
    Jungtuerken noch kompromissloser propagiert, nach dem saemtliche
    Territorien bis auf einen kleinen Rest auf dem Balkan verloren gehen.
    Sie wollten das zerbrechende Osmanische Reich um jeden Preis erhalten,
    alles Streben nach Autonomie war in ihren Augen Verrat. Sie glaubten an
    die UEberlegenheit der tuerkischen Nation gegenueber anderen Voelkern
    und mit der Entscheidung einen Staat zu schaffen, der rein
    tuerkisch-muslimisch ist, besiegelten sie das Schicksal der Minderheiten.
    Hunderttausende muslimische Fluechtlinge draengten nach Anatolien und
    besonders in die armenischen Gebiete.
    Dabei war die Vertreibung und die Enteignung, man koennte auch sagen,
    der Diebstahl, ein verbrecherisches Mittel, um neue Existenzgrundlagen
    fuer diese Menschen zu schaffen.
    Unzaehlige Dokumente und Berichte von Zeitzeugen lassen keinen Zweifel
    daran, dass es sich bei den Massakern und Vertreibungen um die
    systematische Vernichtung der armenischen Bevoelkerung und uebrigens
    auch der Aramaeer im Osmanischen Reich handelte. Weiterhin davon zu
    sprechen, dass es nur quasi unwillkommene Begleiterscheinungen bei der
    Umsiedlung von Armeniern gewesen seien, ist eine unertraegliche
    Verharmlosung und Geschichtsklitterung.
    Dies sage ich auch als deutscher Staatsbuerger. Auch wir als Deutsche
    muessen ueber die Mitverantwortung und das Mitwissen reden an diesen
    Verbrechen. Der Zuericher Historiker Hans-Lukas Kieser spricht nicht
    ohne Grund von einer "?qualifizierten Mitverantwortung"`, die wir
    Deutsche an diesem Verbrechen haben.
    Die bis heute anhaltende ignorante Haltung der offiziellen tuerkischen
    Geschichtsschreibune, die Ereignisse anzuerkennen, verhindert auch, dass
    ueber das Leid gesprochen wird, das die islamische Bevoelkerung im
    zusammenfallenden Reich ertragen hat. Oder war es etwa richtig, dass
    zehntausende von osmanischen Soldaten unzureichend ausgeruestet in einem
    voellig sinnlosen Krieg in Sarikamis 1914/15 im Kampf gegen die Russen
    erfroren sind?
    Dabei kann es nicht um Abwaegen von Opferzahlen auf der einen oder
    anderen Seite gehen, sondern darum, die Hintergruende der schrecklichen
    Ereignisse offenzulegen und so einen Prozess der Aufarbeitung
    einzuleiten, der in eine Erinnerungskultur muendet, die notwendig ist,
    um die Schrecken der Vergangenheit und menschliches Leid kuenftig zu
    verhindern.
    Um die heutige tuerkische Gesellschaft zu verstehen, muss man wissen,
    durch welche "?Schule"` im wahrsten Sinne des Wortes sie gegangen
    sind. Deshalb war Hrant Dink fuer die Nationalisten so gefaehrlich und
    wurde schliesslich durch den tiefen Staat in der Tuerkei ermordet.
    Wer die tuerkische Schule vollstaendig durchlaufen hat und am Ende nicht
    schizophren wurde und nicht glaubte, dass er ueberall von Feinden und
    Verrat umstellt ist, der hat im Unterricht entweder schlicht nicht
    aufgepasst oder eine sehr starke Persoenlichkeit. Fuer die
    tuerkischsprachigen unter Ihnen: "?Tuerk"'uen Tuerk"'ten baska
    dostu yoktur"`, uebersetzt: "?Ein Tuerke kennt keinen anderen Freund
    ausser dem Tuerken"` "` das war quasi die erzieherische Parole.
    Gesetze, Parlamentsbeschluesse und Verbote moegen Trost und Genugtuung
    sein fuer erlittenes Leid und was mindestens so schlimm ist, seine
    Verleugnung. Doch Heilung bringen sie nicht. Die seit knapp 100 Jahren
    offenen Wunden koennen nur in der Tuerkei und zwischen Tuerken und
    Armeniern geheilt werden.
    Lassen Sie mich dazu Joseph Beuys zitieren: "?Eine Wunde, die man
    zeigt, kann geheilt werden."`
    Wir sollten der tuerkischen OEffentlichkeit dabei helfen, zu lernen mit
    den Wunden umzugehen.
    "?Tuerkler Ermenilerin, Ermeniler Tuerklerin doktoru, baska care
    yok"`, so sagte es Hrant Dink. "?Die Tuerken sind die AErzte der
    Armenier und die Armenier sind die AErzte der Tuerken. Es gibt keinen
    anderen Ausweg"`, so seine Worte in deutscher Sprache
    Daraus folgt fuer mich gerade zwingend eine Normalisierung der
    Beziehungen zwischen den beiden Nachbarn Armenien und Tuerkei. Auch dazu
    ein Zitat von Hrant:
    "?EÄ?er Tuerkiye demokratiklesmezse, Ermenistan hicbir zaman guevende
    olmaz. Tuerkiye"'nin, boÄ?ulmanın esiÄ?inde olan bu genc devlet icin
    bir sans olabileceÄ?ine inanıyorum. Bu uetopya gibi goeruelebilir ama
    Ermenistan yarin, Tuerkiye sayesinde, AB"'ne ait bir komsuya sahip olma
    sansına kavusacak."` In deutscher Sprache: "?Wenn sich die Tuerkei
    nicht demokratisiert, wird es niemals Sicherheit fuer Armenien geben.
    Ich glaube daran, dass die Tuerkei eine Chance fuer dieses am Ertrinken
    befindliche junge Land ist. Dies mag als Utopie erscheinen, aber
    Armenien hat die Chance, morgen dank der Tuerkei einen Nachbarn zu
    bekommen, der zur Europaeischen Union gehoert."`
    Darum muessten eigentlich Armenien und meine armenischen Freunde sich in
    besonderer Weise fuer eine europaeische Tuerkei einsetzen mit einer
    Perspektive der Mitgliedschaft. Nur so wird dieses Land sich weiter
    oeffnen und modernisieren und "` und auch das fuege ich ausdruecklich
    hinzu "` sich seiner Vergangenheit ohne jede Einschraenkung stellen.
    Es ist gut, dass sich immer mehr Menschen in der Tuerkei fuer die
    dunklen Flecken der Vergangenheit in der offiziellen
    Geschichtsschreibung interessieren und kritische Fragen stellen: So
    juengst etwa die Debatte um die blutige Niederschlagung des Aufstandes
    von Dersim 1937/38.
    Mein Dank und meine Anerkennung gilt all den mutigen Aktivisten in der
    Zivilgesellschaft der Tuerkei, darunter auch mehr als 20
    Intellektuellen, die 2008 in einem Aufruf im Internet die armenischen
    Brueder und Schwestern um Vergebung gebeten haben.
    Der aktuelle Gerichtsprozess in der Tuerkei zum tiefen Staat mit all
    seinen Fehlern und Widerspruechen ist sicher ein Mut machendes Zeichen,
    weil erstmals Moerder von christlichen Priestern, Putschisten, Gegner
    der Demokratie und Menschenrechte, die bislang quasi ueber dem Gesetz
    standen und immun waren, endlich vor Gericht gestellt werden und
    Rechenschaft abgeben muessen fuer ihre Menschenrechtsverletzungen.
    Die kuerzlich wiedereroeffnete griechisch-orthodoxe Grundschule auf der
    Insel Goekceada ist eine laengst ueberfaellige Geste, auch wenn es kaum
    noch Schueler gibt, die davon profitieren koennen.
    Es ist laengste Zeit, dass auch das Priesterseminar auf Chalki bzw.
    Heybeliada des orthodoxen oekumenischen Patriarchats wiedereroeffnet wird.
    Die quasi Enteignung von Laendereien des syrisch-orthodoxen Klosters Mor
    Gabriel durch die tuerkischen Gerichte muss beendet werden. Die Tuerkei
    sollte sich ueber jeden einzelnen Assyrer freuen, der nach all dem Leid
    und Schmerz in der Tuerkei leben moechte und die Sprache Jesu Christi,
    das Aramaeische, auf historischem Boden am Leben erhaelt.
    Es gibt Hoffnung: Hoffnung, weil ein Tabu gerade faellt in der Tuerkei.
    Mit der Einberufung des "?Rats der Weisen"` und den Gespraechen mit
    dem groessten Staatsfeind wird der Friedensprozess mit der PKK
    vorangetrieben. Sollte es gelingen, was wahrscheinlich jeder hier hofft
    und unterstuetzt, dass die Kurdenfrage in der Tuerkei endlich
    demokratisch geloest wird, sollte es endlich eine neue demokratische
    Verfassung in der Tuerkei geben, die die Vielfalt des Landes anerkennt,
    die auch Aleviten, Christen, Atheisten, Lazen, Tscherkessen ihre Rechte
    nicht mehr vorenthaelt "` dann darf auch der Anerkennung des Leids von
    Griechen, von Juden, von Assyrern und Armeniern nichts mehr im Wege stehen.
    Warum sollte jemand, der den Mut hat, sich mit den Kurden zu versoehnen
    und Dersim als das zu bezeichnen, das es war, naemlich ein Verbrechen an
    der eigenen Bevoelkerung, nicht auch den Mut haben, rechtzeitig vor dem
    Jahre 2015 Schritte auf die Armenier in der Tuerkei und auf Armenien
    zuzugehen. Ich bin mir sicher, eine solche Tuerkei, die sich dem
    Schandfleck der jungtuerkischen Barbarei stellt und endlich ohne jedes
    Wenn und Aber anerkennt, dass ein Voelkermord geschehen ist, eine solche
    Tuerkei waere eine staerkere Tuerkei, eine einigere Tuerkei und vor
    allem eine europaeische Tuerkei. Der erste offizielle Grenzuebergang
    zwischen der Tuerkei und Armenien sollte nach Hrant Dink benannt werden.
    Genauso wie kuenftig Schulen, Universitaeten, ja sogar Kasernen nicht
    mehr nach mehr oder weniger grossen Kriegern benannt werden sollten,
    sondern nach denen, die sich fuer ein friedliches und gleichberechtigtes
    Zusammenleben der Menschen in Anatolien eingesetzt und die dafuer oft
    genug einen hohen Preis bezahlt haben.
    UEbrigens, eine OEffnung der Grenze zwischen der Tuerkei und Armenien
    waere auch im Interesse Aserbaidschans. Alle wuerden davon profitieren,
    wie ich glaube.
    Wie waere es als einen ersten Schritt, diejenigen wenigstens im
    Nachhinein zu ehren, die sich damals den Befehlen des "?Komitees fuer
    Einheit und Fortschritt"` in den Weg gestellt haben, ihre armenischen
    Nachbarn dem Tod auszuliefern und zu berauben. Die sich geweigert haben,
    gegen die Gebote des Islam oder einfach nur der Menschlichkeit und des
    Anstandes zu handeln. In meinen Augen sind diese die wahren Helden der
    Tuerkei, sie sollten in den Schulbuechern geehrt und der jungen
    Generation zum Vorbild gereichen.
    Meine Damen, meine Herren. Ich verneige mich in tiefer Trauer vor den
    Opfern und ihren Angehoerigen und Nachfahren und hoffe, dass ihr Leid
    dazu fuehrt, dass kuenftige Generationen ohne Hass und im Geiste der
    Freundschaft und Liebe der Menschen zueinander aufwachsen.
    Herzlichen Dank!

    (1) Rede gehalten bei der Gedenkveranstaltung 98. Jahrestag des
    Voelkermordes an den Armeniern am 24.04.2013 in der St. Marienkirche,
    Berlin, eine Veranstaltung der Armenischen Kirchen- und Kulturgemeinde e.V.





    2. "ICH VERTRETE DIE VIELFALT ANATOLIENS""`

    http://www.deutscharmenischegesellschaft.de/wp-content/uploads/2013/06/ADK159-Ich-vertrete-die-Vielfalt-Anatoliens.pdf


    "?Ich vertrete die Vielfalt Anatoliens"`
    Songul Kaya-Karadag im Gespraech mit "?Mr. Avantgarde Folk"` Arto
    Tuncboyaciyan

    Der 2006 mit dem World Music Award und 2011 mit dem Grammy
    ausgezeichnete experimentelle Musiker, Percussionist, Komponist und
    Vokalist, Mr. Avantgarde Folk Arto Tuncboyaciyan war im Rahmen des
    Projekts "?Klanglandschaft Tuerkei"` vom Theater an der Ruhr
    eingeladen worden.

    Wir trafen uns am 22. Maerz vor seinem Konzert in der Stadthalle
    Muelheim (Ruhr). Kaum hatte ich mich vorgestellt, sagte er mit der ihm
    eigenen natuerlichen Art "?Fragen Sie was Sie wollen, ich bin bereit,
    denn ich habe keinen Hass in mir"`. Der Taxifahrer, der ihn zum
    Konzertsaal gebracht hatte, war ein Tuerke. Als die Rede auf Tuerken und
    Muslime kam, verteidigte er den Dschihad, der "?fuer den Allah
    toeten"` bedeutet. Daraufhin fragte Arto ihn: "?Wenn ein Kind dir
    sagt, dass er an Mohammed nicht glaubt, wuerdest du ihn toeten?"` Als
    der Taxifahrer das bejahte, antwortete er "?Bist du verrueckt?"` Nach
    diesem Anfang sprach Arto, noch bevor ich ihn danach fragte, von seiner
    Weltsicht, oder wie er sagte, von seiner Philosophie.

    Arto Tuncboyaciyan: Wenn du das sagst, dann ist alles zu Ende. Was
    sollst du ihm entgegnen? Er besteht darauf, dass seine Sicht die
    richtige sei. Warum? Denn er hat kein Selbstvertrauen. Er kann sich
    nicht oeffnen. Er kommt nicht darauf, dass auch andere Recht haben
    koennten. Wer kein Selbstvertrauen hat, hat Angst sich zu oeffnen. Wie
    sind die Menschen zum Beispiel hier in Deutschland? Sie sagen, sie
    wuerden einiges verlieren. Dabei geht nichts verloren, ganz im
    Gegenteil: es kommt einiges hinzu. Andere Kulturen, Nationen,
    Religionen. Somit wird Deutschland reicher. Das Gute daran ist, dass du
    dann siehst, wo du stehst. Der Mensch versteht sich nur dann, wenn er
    ausserhalb seines Systems steht. Er begreift, wie er gesehen wird. Man
    spricht von Demokratie. Was ist aber Demokratie? Der erste Schritt
    lautet: Akzeptiere ihn, selbst wenn du ihn nicht magst. Was heisst das?
    Angenommen, jemand hat eine andere Ansicht. Du musst es ertragen. Wenn
    du aber darauf bestehst, sagst, dass einzig, deine Meinung richtig ist
    und hierfuer Gewalt anwendest, da hoert die Demokratie auf.

    Songul Kaya-Karadag: Denken Sie auch an diese Dinge, wenn Sie Musik machen?

    Natuerlich, denn das ist meine Philosophie. Liebe, Achtung,
    Wahrhaftigkeit. Ohne diese drei geht"`s nicht. Gibt es nicht Stimmen,
    die ich nicht mag? Klar gibt es sie. Ich baue sie in meine Musik ein.
    Denn sie sind Teil des Lebens, auch wenn ich sie nicht mag.

    In Ihrer Musik spuert man eine Tiefe. Sie koennen gleichzeitig jeden
    ansprechen. Was mir auffaellt ist, dass diese Tiefe auch eine Vielfalt
    enthaelt. Jeder kann darin etwas von sich finden. Wie kommt das?

    Du sprichst von Tiefe. Ihre Grundlage ist der Mensch. Jeder Mensch hat
    eigentlich eine Tiefe. Aber das merkt man nur dann, wenn er sich
    oeffnet. Eigentlich kennen wir uns. Und um zu verstehen, muss man
    kennen. Um zu erkennen, muss man sich oeffnen. Du kannst dich aber nur
    dann oeffnen, wenn du Selbstvertrauen hast. Dann brauchst du auch keine
    Angst zu haben. Du zeigst dich so wie du bist und der andere akzeptierte
    ich wie du bist. Er respektiert dich, vielleicht mag er dich sogar. Du
    sprachst von Vielfalt. Ich vertrete die Vielfalt Anatoliens. Dort haben
    unterschiedliche Kulturen existiert. Sie alle - die Kulturen, Sprachen,
    Musiken "` hatten sich gegenseitig beeinflusst. Ich kann dir zum
    Beispiel einige Doerfer zeigen, dort haben sie mit armenischen
    Buchstaben Tuerkisch geschrieben. Was du Vielfalt nennst, gibt es also
    bereits dort. Ich spreche von der Philosophie der anatolischen Erde.
    Wenn du sie verlaesst, verleugnest du dich selbst.

    Im Rahmen des Projekts "?Klanglandschaft Tuerkei"` vertreten Sie aber
    die Tuerkei.

    Haben sie das so geschrieben? Nein, ich repraesentiere nicht die
    Tuerkei. Warum sollte ich das tun? Was bedeutet, die Tuerkei zu
    repraesentieren? Jemand sagt seine Meinung, dem anderen gefaellt es
    nicht. Wenn er Macht hat, wird er gewalttaetig, versucht die Meinung des
    anderen zu aendern. Wenn das nicht klappt, greift er zur Waffe. Das ist
    die Tuerkei. Wie kann ich so etwas repraesentieren? Wenn du aber von
    Anatolien sprichst, dann bin ich dabei. Die Philosophie einer bestimmten
    Erde ist die eine Sache, der Name eines Staates eine andere. Anatolien
    hat man vor 2000 Jahren irgendwie genannt, vielleicht wird es in 3000
    Jahren einen ganz anderen Namen haben. Das interessiert mich nicht. Das
    ist vergaenglich.

    Auch in Ihrer Musik ist eine Vielfalt zu beobachten. Einerseits machen
    Sie Jazz, andererseits singen sie authentische armenische Volkslieder.
    Auch benutzen Sie vielfaeltige Musikinstrumente. Die armenische Duduk
    und der Saxophon sind gleichzeitig auf der Buehne, irgendwie passen sie
    zusammen. Darueber hinaus gibt es auch Improvisationen. Wenn Sie
    improvisieren, muss ich an die Tradition der Asiks (Volksbarde) denken.
    Im armenischen nennt man das doch Kusan (Gusan), nicht wahr?

    Beide druecken dasselbe aus. Im Kurdischen nennt man das vermutlich
    Gorani. Sie alle haben im selben geographischen Raum gelebt. Sie alle
    haben diese Tradition. Deswegen gehe ich nicht vom Armeniertum aus. Denn
    der Mensch ist meine Grundlage. Wenn du mich aber nach der "?Wuerze"`
    fragst, dann stimmt es, ich bin Armenier. Die Natur ist meine Religion.
    Gestern zum Beispiel war es fuer mich Silvester. Warum? Denn es war der
    21. Maerz, der Fruehlingsbeginn. Es ist normal, dass man an die Sonne
    glaubt. Die Sonne ist fuer alle Menschen auf der Erde da. Niemand kann
    sie fuer sich alleine beanspruchen.

    Sie sprechen drei Sprachen. Soweit mir bekannt, benutzen Sie alle drei
    sowohl auf der Buehne als auch in ihrem Alltag.

    Aber bei keinem der Dreien bin ich wirklich gut. Ich kann meine Gedanken
    mit ihnen ausdruecken, mehr aber nicht.

    In welcher Sprache traeumen Sie?

    Meine Traeume sind stumm (er lacht). Jetzt, wo du mich fragst, faellt es
    mir wieder ein. In allen Dreien also Englisch, Tuerkisch, Armenisch.

    Lesen Sie Buecher?

    Sprichst du von Buechern? Ich lese auf eine andere Art. Ich lerne von
    den Menschen. Unsere Unterhaltung ist fuer mich wie eine Universitaet.
    Mein Vater konnte ueberhaupt nicht lesen und schreiben. Aber er war sehr
    praktisch veranlagt. Er konnte Dinge sehr gut memorieren. Alles, was er
    gesehen oder gehoert hatte, praegte er sich ein. Um etwas zu lernen,
    muss man nicht unbedingt ein Buch lesen. Gewoehnlich wird ein Buch von
    einer einzelnen Person geschrieben. Dieser kann sich auch irren oder
    einfach Luegen erzaehlen. Es ist wichtiger, mit Menschen zu sprechen,
    sie zu verstehen, sie kennen zu lernen.

    Hat Ihr Vater den Voelkermord erlebt?

    Ja, deswegen konnte er nicht die Schule besuchen. Er wusste nicht
    einmal, wie alt er damals war.

    Ihr Vater stammt aus Sivas, spaeter ist er nach Istanbul gezogen. Sie
    selbst haben sich in den USA niedergelassen. Sie leben dort. Nicht nur
    sie, sondern viele andere Armenier leben ausserhalb der Tuerkei. Wir
    sprechen von einer armenischen Diaspora. Sehnt man sich nach Anatolien?
    Waren Sie persoenlich jemals in Sivas?

    Natuerlich sehnt man sich danach. Aber warum soll ich nach Sivas fahren?
    (1) Damit sie auch mich verbrennen? Und schreib das Folgende genauso
    wie ich dir das sage: "?Ich wurde nicht in Sivas geboren, Sivas wurde
    mit mir geboren. Ich habe in Sivas keine Menschen verbrannt, die
    Menschen haben Sivas niedergebrannt."` Ich brauche nicht dorthin
    fahren. Ich bin Sivas, ich bin Anatolien, ich bin Armenien, ich bin die
    Welt. Ich sagte dir noch etwas anderes: "?Ich besitze einen Berg, aber
    ich darf mein Gras nicht benutzen. Ich bin hin zu anderen Bergen und
    suche dort mein Gras. Dann sah ich, dass ich selbst der Berg bin."` Im
    Gebirge von Erzincan hat man meine Grossmutter abgeschlachtet, spaeter
    musste ich dort meinen Militaerdienst ableisten. Wir reden von solchen
    Widerspruechen...

    Waren Sie jemals wuetend?

    Auf wen soll ich wuetend sein? Gott sei Dank haben meine Eltern uns
    vernuenftig erzogen. Wir haben bei uns zuhause das Wort Feind nie
    gehoert. Bei den Tuerken hoerst du doch die bekannten Dinge "?Ein
    Tuerke ist so viel Wert wie die ganze Welt"`, "?der Tuerke hat keinen
    anderen Freund als den Tuerken"`, "?da und dort haben wir diesen oder
    jenen ins Meer geworfen"`, "?wenn es den Tuerken nicht gebe, den
    haetten wir dieses und jenes nicht"`. Bei uns zuhause sprachen wir
    ueber das, was wir gerade taten. Wenn zum Beispiel jemand sass, redeten
    wir darueber, wie man den Tisch zimmert. Wie spielt man Geige? Wie macht
    man das Kohlenbecken an? Solche Dinge eben. Wenn man sich mit Handwerk
    oder Kunst beschaeftigt, denkt man anders. Mein Vater war Schuster.
    Manchmal stand er zu naechtlicher Stunde auf, zog sich an und ging in
    die Werkstatt. Er habe eine neue Idee fuer einen Schuh, sagte er.

    Hatten Sie in der Tuerkei Probleme wegen ihrer armenischen Abstammung?

    Natuerlich. Als ich beim Militaer war, wollten sie gewaltsam meinen
    Namen aendern. Ich konnte nur fuenf Jahre die Schule besuchen. Das war
    eine armenische Schule. Wir hatten einen tuerkischen Direktor. Eine
    richtige Katastrophe. In armenischen Schulen ist armenische Geschichte
    verboten, du musst tuerkische Geschichte lernen. Der Kerl brachte uns
    bei, wie schlimm wir sind, dass wir Feinde sind. Dann mussten wir
    morgens "?ich bin Tuerke, ich bin ehrlich, ich bin fleissig"`
    aufsagen. Was kann man dort lernen? Dann musste ich zum Militaer.
    Bereits am ersten Tag wurde ich mit Pruegel empfangen. Warum? Du bist
    Armenier. Wieder beim Militaer schob einer mir eine Pistole in den Mund.
    Was sollte ich machen?

    Was haben Sie gemacht?

    Was haette ich tun koennen? Sollte ich die Waffe nehmen und sie in
    seinen Mund schieben? Ich habe nichts gemacht. Denn ich bin ein normaler
    Mensch. Ich streite nicht. Selbst wenn man die Waffe mir in den Mund
    schiebt, weiche ich nicht von dem ab, was ich fuer richtig halte.

    Haben Sie immer so gedacht?

    Wenn ich nicht so gedacht haette, waere ich jetzt nicht am Leben.
    War Ihre armenische Abstammung der Grund dafuer?
    Ich habe meinen Militaerdienst in den Jahren 1977-1979 in Erzincan
    abgeleistet. Man hat mir gewaltsam die Uniform angezogen. Ich habe
    nichts gegen Soldaten oder Uniformen. Ich bin nur wuetend auf jene, die
    fuer ihre privaten Interessen diese Uniform besudeln. Ich hab mit meinen
    eigenen Augen gesehen, wie sie Doerfer ueberfallen und spaeter erzaehlt
    haben, die Kurden haetten die Menschen umgebracht. Eigentlich braeuchten
    wir weder Militaer noch Polizei. Wir sind alle Menschen. Sind wir etwa
    Schafe, die man antreiben soll.

    Sie kritisieren ein bestimmtes Staatsverstaendnis, eine bestimmte
    Ideologie und Institutionen. Aber Sie haben nach meinem Kenntnisstand
    keine alternative Ideologie.

    Natuerlich habe ich eine. Wie ein friedfertiger Mensch leben. Eine
    bessere gibt es nicht. Wenn nachdenkt, findet heraus, was richtig und
    was falsch ist. Wer nicht nachdenkt, wird zum Schaf. Der Mensch ist
    meine Grundlage. Ich lerne nicht fuer mich alleine, sondern fuer alle.
    Wenn du zum Beispiel in einer Klasse unterrichtest, kannst du nicht nur
    einigen wenigen Kindern etwas beibringen. Du lernst fuer alle und du
    bringst allen etwas bei. Das gilt auch fuer mich. Wenn du ueber
    Kinderrechte sprichst, musst du an alle Kinder denken, nicht nur an jene
    die in deinem Land leben. Wenn du fuer sie Lieder komponieren willst, so
    musst du fuer sie alle komponieren. Wenn du heute von einem kurdischen
    Kind sprichst, dabei aber das Kind in Angola nicht im Blick hast, so ist
    dieser enttaeuscht. Du musst die gesamte Welt im Blick haben. Deswegen
    habe ich mich von meinem Koerper losgeloest. Es ist nicht so wichtig,
    woher man kommt, welche Wurzeln man hat, man muss den Menschen
    schaetzen, weil er eben ein Mensch ist.

    Waehrend Sie das so sagen, faellt mir Yunus Emre ein. Auch er spricht im
    13. Jahrhundert von Menschenliebe. Die Tiefe des Menschen umreisst
    er so: "?Es gibt ein Ich bei mir in mir."` Sie sagen "?Ich habe
    meinen Koerper fuer alle Menschen verlassen."` Waehrend die Menschen
    Anatoliens sich der mongolischen Angriffe erwehrten, rief Yunus Emre in
    seinen Gedichten zum Frieden auf. Sind Sie wie Yunus Emre ein
    bedingungsloser Humanist?

    Natuerlich bin ich ein Humanist, denn ich bin ein Mensch. Warum gibt es
    heute nicht Menschen wie Yunus Emre? Dabei brauchen wir gerade solche
    Menschen.

    Dann gongt es, das Konzert faengt jeden Augenblick an. Arto entschuldigt
    sich, ich finde nicht einmal die Zeit fuer ein Dankeschoen. Auf der
    Buehne spricht er einleitende Worte auf Englisch. Einige aus der ersten
    Reihe verlangen, er moege Tuerkisch sprechen. Er hingegen sagt, dass er
    alle Anwesenden ansprechen moechte, nicht nur jene, die Tuerkisch
    koennen. Die junge Frau neben mir singt mit ihrem deutschen Freund die
    Lieder mit. Der Reporter des WDR 3 in der ersten Reihe klatscht im
    Rhythmus, waehrend Arto das Lied "?Bsdig Sinvor"` ("?Kleiner
    Soldat"`) singt. Ich spuere, dass er das Lied versteht, obwohl er kein
    Wort Armenisch kann. Dann eine Tiefe, darin eine Vielfalt. Darin die
    Duefte, die sich vermischen. Oder wie Arto das zu sagen pflegt, die
    Gewuerze. Von New York nach Jerewan, von dort nach Sıvas, Istanbul und
    schliesslich Muelheim. Waehrend die Zuhoerer die Duefte dieser Gewuerze
    einsaugen, tauchen sie in ihre eigenen Tiefen ein.

    Zur Person: Songul Kaya-Karadag, Jg. 1972, wurde in Gaziantep geboren.
    Studierte tuerkische Sprache und Literatur in Malatya. Wegen angeblicher
    politischer Betaetigung wurde sie schon als Schuelerin wiederholt
    verfolgt und zuletzt zu einer Haftstrafe verurteilt, der sie sich durch
    Flucht entzog. Seit 1996 in Deutschland, wo ihrem Asylantrag
    stattgegeben wurde. Sie schreibt fuer die Zeitung Evrensel. 2009
    absolvierte sie ihr Studium der Geschichte und Turkistik an der
    Universitaet Duisburg-Essen. Seit 2010 Koordinatorin an der AWO Koeln
    und zusaetzlich wissenschaftliche Mitarbeiterin am Projekt
    "?Muelheim 2020"`.

    Aus dem Tuerkischen von RAFFI KANTIAN

    (1) Im Sommer 1993 wurden in einem Hotel von Sivas 37 Menschen,
    mehrheitlich Aleviten, Opfer eines Brandanschlags (d. Red.).

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