Announcement

Collapse
No announcement yet.

Das Lepsius-Archiv an der Uni Halle soll nach Potsdam kommen

Collapse
X
 
  • Filter
  • Time
  • Show
Clear All
new posts

  • Das Lepsius-Archiv an der Uni Halle soll nach Potsdam kommen

    http://www.pnn.de/Pubs/potsdam/pageviewer.asp?Text ID=3D13142



    Papiere zum Massenmord



    Das Lepsius-Archiv an der Uni Halle soll nach Potsdam kommen - es
    beherbergt politischen Sprengstoff in Buchform (7.6.05)

    Von Henri Kramer Bücher, Bücher, unüberschaubar viele
    Bücher. Hermann Goltz kommt kurz ins Stocken beim Nachdenken
    darüber, wie viele Bücher sich genau im Johannes Lepsius-Archiv an
    der Martin-Luther-Universität in Halle befinden. So muss der
    Professor an der theologischen Fakultät schätzen: `Um die 20000
    Bände...` Mindestens zwei Lieferwagen werden nötig sein, wenn das
    Lepsius-Archiv im Frühjahr 2006 zusammen mit seinem Leiter Hermann
    Goltz ins Lepsius-Geburtshaus in die GroÃe WeinmeisterstraÃe
    ziehen soll. Goltz sagt: `Es soll ein Ort des Gedenkens, der
    Begegnung und der Forschung werden, um den Völkermord an den
    Armeniern im Osmanisch-Türkischen Reich historisch weiter
    aufzuarbeiten.`

    Die Bücher und Schriften aus Halle sollen dabei den Kern der
    Gedenkstätte bilden. So findet sich in dem Archiv die seltene
    Originalausgabe des `Berichts über die Lage des armenischen
    Volkes in der Türkei`, in dem Lepsius zum ersten Mal Details über
    den Genozid in Deutschland öffentlich bekannt machte, bei dem
    zwischen 1915 und 1917 über eine Million Menschen umgebracht
    wurden. 20000 Exemplare des Buchs konnte Lepsius versenden, bevor
    seine Schrift von der deutschen Militärzensur verboten
    wurde. `Da Deutschland und das Osmanische Reich im 1. Weltkrieg
    zusammen kämpften, sollte der Völkermord nicht thematisiert werden`
    , erklärt Goltz.

    Ebenso ist im Lepsius-Archiv das 1919 erschienene Buch `Der
    Todesgang des armenischen Volkes` enthalten, das wegen politischer
    Bedenken erst nicht gedruckt werden konnte. SchlieÃlich trauten
    sich die Druckereien der jüdischen Firma Imberg & Lefson in
    Babelsberg und der christlichen Zeitung `Der Reichsbote` in
    Berlin das Buch herzustellen. `Den groÃen Verlagen der Zeit
    war das Thema zu heiÃ, niemand wollte Lepsius drucken`, sagt Goltz.

    Neben diesen beiden auch heute wissenschaftlich unentbehrlichen
    Veröffentlichungen stehen im Lepsius-Archiv 13 Zeitschriften-Serien
    aus der Feder des Orientalisten, aber auch Folgeliteratur wie die
    Romane von Franz Werfel, indenen die Lepsius-Dokumentationen als
    historische Quellen verwendet sind: Alle Werke in verschiedenen
    Ausgaben verschiedener Länder in verschiedenen Sprachen. `Es
    kommt immer noch neues Material dazu, weil das Thema vor dem
    Hintergrund eines möglichen EU-Beitritts der Türkei aktuell bleibt`,
    sagt Goltz. Für den Archivleiter selbst ist der Umzug nach Potsdam
    die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte, hier begann seine Passion
    für die Arbeit von Lepsius. `1976 lernte ich die damals
    71-jährige Lepsius-Tochter Veronika kennen.` An der Geschichte des
    Vorderen Orients und Osteuropas war Goltz schon damals interessiert,
    der Völkermord an den Armeniern wurde bald sein wichtigstes
    Forschungsfeld, obwohl das Thema sowohl in der DDR als auch in der BRD
    zu den Tabus der Geschichtsschreibung gehörte, wie er sich
    erinnert. `Die Türkei war im Kalten Krieg für Sowjetunion wie
    für das westliche Bündnis ein wichtiger Partner, den niemand
    verärgern wollte`, so Goltz.

    In Potsdam soll die Analyse des groÃen Verbrechens weitergehen,
    auch gegen den Druck der Türkei. So bezeichnete der türkische
    Botschafter das geplante Lepsius-Zentrum schon 2000 als eine
    angebliche `armenische Propaganda- und Terrorzentrale.` Hermann
    Goltz will weiter sammeln, hofft, dass sich auch die Potsdamer
    Universität an der Forschung beteiligt. `In nicht allzu langer
    Zeit wird sich die Türkei zu ihrer historischen Verantwortung
    bekennen müssen.` Die Studien, um den Genozid mit weiteren Fakten zu
    belegen, werden jedoch auch in Potsdam nicht mit den Originalen
    geschehen können: Jede Seite steht im Lepsius-Archiv nur als Kopie
    zur Verfügung, wie bei wertvollen Schriften üblich. Goltz spricht
    aber auch von Sicherheitsinteressen: `Die Originale werden wie
    hier in Halle an einem sicheren Ort verwahrt, denn natürlich gibt es
    Menschen,die nicht traurig wären, wenn diese Dokumente brennen
    würden.`
Working...
X